Keiner schließt gerne eine Schule
Es war die CDU-Gemeinderatsfraktion, die bereits im Mai 2009 die Stadtverwaltung in einem Antrag aufgefordert hat, mit der Landesregierung Kontakt aufzunehmen und die Möglichkeit zu prüfen, die Friedrichsfeld-Hauptschule in eine Werkrealschule (neuen Typs) umzuwandeln.
In der Zwischenzeit sind die Kriterien für die Errichtung der Werkrealschulen (neuen Typs) vom Land und von der Stadt festgelegt worden. Die Werkrealschulstandorte müssen danach u. A. eine stabile, also dauerhafte Zweizügigkeit aufweisen. Der Gemeinderat der Stadt Mannheim hat beschlossen, dass es künftig nur noch Werkrealschulen neuen Typs in Mannheim geben wird und alle bestehenden Hauptschulen in diese überführt werden.
Da in Mannheim die Nachfrage nach Hauptschulplätzen dynamisch sinkt, ist die Stadt gezwungen zu reagieren. In den letzten Jahren sind die Übergangszahlen auf die Hauptschulen von 6000 auf heute 3000 Schüler zurückgegangen.
Momentan gibt es in Mannheim 20 Hauptschulen plus den Hauptschulzweig der IGMH. Die Schulbürgermeisterin Warminski-Leitheußer (SPD) plant diese nun auf zwölf Werkrealschulstandorte plus IGMH zu reduzieren. „Keiner schließt gerne Schulen. Um den Standards der Werkrealschule zu genügen und den Schülerzahlen Rechnung zu tragen, kommen wir an diesem Einschnitt nicht vorbei“, erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Carsten Südmersen.
Heidelberg z.B. hat bereits von acht auf vier Hauptschulen reduziert. Heidelberg wird nach der Umstellung lediglich zwei Werkrealschulen anbieten. Die Gemeinden Edingen-Neckarhausen, Ilvesheim und Ladenburg werden nach aktuellen Planungen gemeinsam sogar nur einen Werkrealschulstandort in Ladenburg anbieten, die Hauptschule in Ilvesheim und zwei Hauptschulstandorte in Edingen-Neckarhausen sollen aufgegeben werden.
„Die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Konzentration der Werkrealschulen wird die größte Veränderung der Mannheimer Schullandschaft in der Nachkriegsgeschichte sein. Deshalb ist es wichtig, dass die Entscheidungen im Gemeinderat mit möglichst breiter Mehrheit getroffen werden. Die CDU steht zu ihrer Verantwortung“, erklärt die Bildungspolitische Sprecherin Rebekka Schmitt-Illert. Es wird zukünftig mehrere Stadtbezirke geben, die keine Hauptschule haben werden. Es wird auch Stadtbezirke geben, in denen keine weiterführende Schule ihren Standort hat. Dies betrifft u. a. Wallstadt und Neuostheim/Neuhermsheim aber auch Käfertal, wo es zukünftig zwar drei Grundschulen (momentan vier), aber keine weiterführende Schule geben wird.
Die Genehmigung jedes einzelnen Werkrealschulstandortes erfolgt durch das Land aufgrund der Kriterienerfüllung. Die Friedrichsfeld-Hauptschule erfüllt die Kriterien einer Werkrealschule leider bei Weitem nicht. In der aktuellen siebten Klasse sind 13 Schüler, in der sechsten Klasse 12 Schüler, in der fünften Klasse sind nur noch 8 Schüler. Bürgermeisterin Warminski-Leitheußer (SPD) hat die Aufgabe des Hauptschulstandortes in Friedrichsfeld vorgeschlagen.
Eine Zusammenarbeit der Friedrichsfeld-Hauptschule mit der Seckenheim-Hauptschule mit einer Trennung der Klassenstufen 5.-7. bzw. 8.-10. an den beiden Standorten oder mit jährlich wechselnden Einschulungsorten und dem Verbleib der Schüler vor Ort bis zur Abschlussprüfung wird vom Fachbereich Bildung der Stadt Mannheim abgelehnt und habe nach Auskunft von Bürgermeisterin Warminski-Leitheußer keine Chance auf Genehmigung durch das Land.
„Es ist wirklich schade, dass die erfolgreiche Friedrichsfeld-Hauptschule keine Zukunftschance erhält“, meint der örtliche Stadtrat Richard Karl. Die Friedrichsfeld-Hauptschule liegt mit einer direkten Übergangsquote von über 40% in eine Berufsausbildung sehr gut in Mannheim. Dies liegt insbesondere an den Kontakten, die die ehemaligen Rektoren Karola Lauinger (leider verstorben), Wilfried Meissner und aktuell Wilfried Rossnagel gemeinsam mit den motivierten Lehrerinnen und Lehrern zu den ausbildenden Betrieben in der Umgebung pflegten und pflegen. Es gilt nun, diese Motivation mit an den neuen Standort in Seckenheim zu nehmen.
Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Anbindung der Friedrichsfelder Schülerinnen und Schüler an die weiterführenden Schulen (Werkrealschule, Realschule und Gymnasium) über den öffentlichen Nahverkehr gesichert ist. „Hierzu werden wir die Verwaltung drängen und wenn hierzu extra Schulbusse eingesetzt werden müssen,“ gibt sich Fraktionschef Südmersen bei diesem Thema kompromisslos.
Die sinkenden Schülerzahlen in Friedrichsfeld sind auch auf die sinkenden Einwohnerzahlen in Friedrichsfeld zurückzuführen. Hierzu hat der örtliche Stadtrat Richard Karl wiederholt Anträge an den Gemeinderat gestellt. „Wir müssen Möglichkeiten finden, um Familien, die nach Friedrichsfeld kommen wollen, attraktive Angebote zu machen. Eine strikte Ablehnung von neuen Baugebieten schadet Friedrichsfeld dauerhaft“, betont Richard Karl. Ihm sind einige junge Familien bekannt, die gerne in Friedrichsfeld gebaut hätten, aber keinen passenden Bauplatz gefunden haben und deshalb woanders hingezogen sind, unter anderem die derzeitige Friedrichsfelder Maikönigin Nicole Mayer.
